Liebe an der Côte d'Azur

Nizza bot eine Kurzgeschichte und ein reales Abenteuer. Zwischen Baronen, Kampfhähnen, Champagnerfeten und Feuermeldern machte ich mich auch ohne Reisepartner auf die Suche nach der Liebe an der Côte d'Azur.

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Singlereise Nizza, Monaco, Franzosen und l'amour

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Baron, Kampfhähne und Feuermelder

Hoppla! Was war das denn? Flugschein Nordamerika! Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Ich kramte weiter in meiner verstaubten Reisetasche und entsorgte die Papiere meines letzten Urlaubs, die auf mich und den Namen meines Ex-Freundes ausgestellt waren. Jetzt sollte es nach Frankreich gehen. Alleine! Und das als Frau? Kein Problem. Unabhängig von anderen, keine Diskussionen, keine Kompromisse und vor allem viel Zeit für mich und meine Wünsche. Ein Urlaub nicht nur ohne Freund, sondern auch ohne eine Freundin. Das ist nicht besser, aber definitiv anders. Die Abenteuer sind spannender, die Kontakte vielseitiger und die Erfahrungen aufschlussreicher. Ich entschied mich, ganz bewusst, für einen Dreitagestrip an die Côte d´Azur – alleine.

 

Freihändig zum Flughafen

Der Park- and Fly-Service stellte mich, um acht Uhr morgens, vor die erste Herausforderung. Ich hatte Schwierigkeiten, den Platz zu finden und landete bei einem Konkurrenzanbieter auf dem Nachbargelände. Kein Schild, kein Personal, nur eine Telefonnummer in meiner Auftragsbestätigung. Ich war verunsichert und wählte die Nummer. „Ja, isch komm“,  entgegnete die Stimme gelangweilt. Das trug nicht zu meiner Beruhigung bei. „Haben Sie kein Anmeldehäuschen oder sowas?“, fragte ich verwirrt. „Was? Nix Häuschen“, antwortete die Person auf der anderen Leitung. Kurz darauf erschien der Fahrer, und er machte sich mit seinem Kollegen über mich lustig. „Da, guckst  du, die Frau mit Häuschen“, lachten sie. Ich parkte mein Auto auf dem ungeteerten Gelände neben verrosteten aufgetürmten Eisenstangen. Ich hatte noch Hoffnung, den Schlüssel meines fahrbaren Babys nicht aus der Hand geben zu müssen, aber auf meine Rückfrage diesbezüglich, wurde mir meine letzte Illusion geraubt. „AGB nix gelesen? Schlüssel her!“, befahl die Stimme.  Das Kind war in den Brunnen gefallen, und ich nahm auf der verdreckten Rückbank des Shuttles neben einer Bananenschale Platz. Der Fahrer kutschierte mich teilweise freihändig zum Flughafen, weil er während der Fahrt sein Frühstück zu sich nahm und bot mir gleichzeitig ein Stück davon an. Dankend lehnte ich, das lieb gemeinte Angebot, ab. Der Urlaub hatte Potenzial, besser zu werden.

 

Sturzflug auf die Frau

Ich blieb optimistisch, und der Pilot lächelte mir aus seinem Fenster entgegen, als ich auf der Treppe zum Einstieg wartete. Er schien entspannt zu sein, und das steigerte meine Überlebenserwartung. Vor und hinter mir wartete jeweils ein Pärchen. Die Männer trugen ihren Frauen die Trolleys hinauf. Verwundert schaute ich mir das an und begriff schnell: So einen Mann wollte ich auch! Meine Glücksgefühle auf die Reise steigerten sich, und ich machte es mir im Flieger bequem. Ich hatte eine Dreierbank für mich alleine und war begeistert über die überraschende Beinfreiheit. Nach knapp zwei Stunden Flugzeit genoss ich die französischen Temperaturen. Von zehn auf warme vierundzwanzig Grad. Das musste ich ausnutzen. Zügig checkte ich in mein Hotel ein, dass direkt an der Promenade von Nizza lag. Ich gönnte mir einen Cappuccino am Meer, der nicht größer als ein Espresso war, aber genauso teuer, und legte mich an den Strand. Zufrieden schloss ich meine Augen, aber nur für wenige Sekunden. Eine Stimmte weckte mich. Ich drehte meinen Kopf nach links und erblickte einen älteren, glatzköpfigen Mann. Braun gebrannt, und mit strahlend weißen Zähnen, lächelte er mich an. Nur mit einer blauen Badehose bekleidet, saß er in der Hocke neben mir und erzählte fröhlich in seiner Landessprache. Mein Französisch war dermaßen eingerostet, dass mir sogar das Wort „Bonjour“ nicht mehr einfiel, aber ich verstand erstaunlicherweise noch einiges. Er wollte mich zum Café einladen, trat aber wegen Verständigungsschwierigkeiten den Rückzug an, das mir entgegen kam. Ich schloss meine Augen erneut, ließ mir die Sonne auf den Bauch scheinen und legte meine Arme, mit den Handflächen nach oben, seitlich von mir ab. Etwas berührte mich und ich erschrak. Eine Taube erhoffte sich Futter in meiner Hand und nahm darauf Platz. Das Vieh umgehend verscheucht, musste ich laut lachen. Mit Adleraugen beobachtete das ein gebrechlich wirkender alter Mann, der die Sehnsucht hatte, ein Greifvogel zu werden.

 

Baron mit kurzen Beinen

„Monsieur Taubenschreck“ breitete sein Handtuch einen Meter entfernt von mir aus und verwickelte mich in ein deutsch-englisches Gespräch. Er berichtete von seiner verstorbenen Frau, dass er in Nizza Appartements besichtigte, um eines davon zu erwerben,  von seinem Mercedes, dass er all seine Firmen verkauft hatte, sich zur Ruhe setzte und von seinem Sohn Wolfgang. Sein Nachkomme war in meinem Alter, lebte in Dubai, hatte zwei Kinder, geschieden und handelte mit Immobilien. Klang interessant und für Nizza sicherlich nicht ungewöhnlich. Die Glatze blickte immer wieder zu uns rüber, und er sah seine Felle davonschwimmen. Nach einer Stunde Gespräch mit Monsieur stand er auf und ging Richtung Meer. Er hob etwas auf und kam zu mir zurück. Hatte er eine Muschel, einen Stein oder was konnte das sein? In seiner Hand hielt er einen glänzenden Gegenstand, den er mir stolz präsentierte – einen Kronkorken. Mich überkam der leise Verdacht, dass es sich bei Monsieur um einen Lügen-Baron handelte, weil er Müll vom Strand sammelte. Ich begutachtete seine zerrissene Billig-Jeans und seinen Jutebeutel. Eine Armbanduhr, als Erkennungsmerkmal, trug er nicht. „Wo wohnst du in Nizza?“, forschte ich nach. „Im Hotel in der Nähe.“ „Und wie heißt das?“ Er nannte mir einen Namen, den ich noch nie zuvor gehört hatte. Ich glaubte nicht, dass er tatsächlich einen Sohn hatte und hielt seine Geschichten allmählich für freie Erfindungen. Es war Zeit, mich zu verabschieden, mich umzuziehen und die Stadt zu erkunden. Der Baron wollte mich nicht gehen lassen, er stand ebenfalls auf und beobachtete, wo ich hinging. Da sich mein Hotel, im Gegensatz zu seinem, unmittelbar an der Promenade befand, konnte er sehen, welche Unterkunft ich gewählt hatte. Eine rote Ampel erleichterte ihm einen Blick auf mich und meinen Aufenthaltsort, da sie mein Tempo drosselte. Dabei stoppte an der französischen Küste niemand, außer mir, bei Rot. Auch nicht den Kindern zum Vorbild.

 

Nizza Nightlife

Französische Kampfhähne

Nach meiner Sightseeing Tour, die sich auf Boutiquen, Cafés und interessante Plätze beschränkte, zog ich ins Nachtleben. Ich fühlte mich sicher und hatte keine Bedenken alleine unterwegs zu sein, in Deutschland hatte ich manchmal größere Bedenken. „One glas of wine, please“, orderte ich auf Englisch. Die ersten gebrochenen französischen Worte kehrten bei dem Gespräch mit meinen Tischnachbarn zurück. Ich erhielt meinen vin rouge und eine Schieferplatte mit Gebäck, die vermutlich dem älteren Paar neben mir gehörte. Sie klärten die Angelegenheit mit dem Kellner. Die köstlichen Leckereien waren tatsächlich für mich und zwar gratis. Die angenehme Luft, das Essen, mein Getränk, die Lichtstimmung und musikalischen Klänge ließen mich eine Stunde entspannt wie eine Göttin in Frankreich fühlen. Jetzt musste mehr Action her und ich stürmte ein Tanzlokal. Eine Liveband begeisterte mit lateinamerikanischen Rhythmen das Publikum, und ich fand Anschluss bei vier Mädels und deren Bekannten. Einer nach dem anderen forderte mich zum Tanz auf. Die meisten davon traten mir allerdings auf die Füße, kreiselten mich schwindelig oder drückten mich energisch an sich heran. Die Atmosphäre war ausgelassen, bis die Schrittfolgen zum Balztanz wurden. Francois klammerte sich an mich und legte seinen Kopf auf meine Schulter.  Mathéos Hände glitten über meinen Rücken in tiefere Regionen und Noah zog mich mit seinen Blicken aus. Pablo, der respektvolle, kleine, rundliche Spanier hatte Anstand, Taktgefühl und wurde somit zu meiner numéro première. Alle weiteren Aufforderungen blockte ich, unter dem Vorwand eine Pause zu benötigen, ab. Gabriel durchschaute meinen Plan und verzog sein Gesicht, besonders als ich eine Minute später erneut mit Pablo tanzte. Das ließ er sich nur eine Liedlänge gefallen und kämpfte um seine Besitzansprüche. Er unterbrach uns und wollte mich von Pablo weg ziehen. Er wurde aggressiver, kniff die Augenbrauen zusammen und zerrte an meiner Hand, doch Pablo wollte mich glücklicherweise nicht gehen lassen und tanzte weiter mit mir. Nach dem Song brachte er mich zum Platz, auf dem mich Gabriel bereits mit einem schnippischen Kommentar erwartete. Anlass genug, um den Abend für mich an dieser Stelle zu beenden, um ihn positiv im Gedächtnis zu behalten, bevor die Situation ausartete. Ich kehrte ins Hotel zurück, ließ mich für wenige Stunden mit Schwung in mein Bett fallen und erlitt einen Lachkrampf um drei Uhr morgens. Die Matratze war hart wie ein Brett und mein Gelächter schallte durch die hellhörigen Wände zum Leidwesen der anderen Gäste.

 

Reisegruppe Sonnenschein under construction

Ich tauchte ein in die Welt von reich und schön und reiste nach Monaco. Bei dem überqueren der ersten Ampel zeigte ich den neuen Touristen, wie man sich als Einheimischer benahm, indem man bei Rot los rannte. Bei schönstem Sonnenschein schlenderte ich die Promenade entlang, bis ich an der entsprechenden Buslinie 100 ankam. Baustelle und ein Hinweis mit „under construction“, „chantier de construction“. Mit meinen gebrochenen Sprachkenntnissen des Landes, erhoffte ich mir Hilfe bei Passanten. Sie verstanden ebenfalls nicht, von wo der Bus losfahren sollte. Ich blieb erst mal gelassen stehen. Plötzlich schlossen sich mir einige Engländer und Franzosen an, weil sie mich für wesentlich intelligenter hielten. Natürlich trog der Schein. „Is that the bus stop to Nice?“ „L’arret Nice?“ „I am not sure.“ „Je ne sais pas.“ Dann entdeckte ich ein Autobahnschild auf der gegenüberliegenden Seite mit der Aufschrift „Menton, Monaco“ und eine Buslinie 100 mit der Aufschrift „Menton“. Ich kombinierte, schnappte mir meine Reisegruppe aus zehn Personen und führte sie frohen Mutes, hinter mich winkend, zum Bus nach Monaco. Pablo erzählte mir gestern, dass die Fahrtzeit zwanzig Minuten betrog, im Internet wurden von anderthalb Stunden gesprochen, weshalb ich den Weg ursprünglich nicht auf mich nehmen wollte. Die Wahrheit lag mit etwa fünfundvierzig Minuten irgendwo dazwischen. Aber wo stieg ich aus? Place d’armes, Monte Carlo,  oder The Port. Ich folgte dem Gruppenzwang und stieg eine Haltestelle zu früh aus, so dass ich schwitzend den Berg hoch klettern durfte. Meine Augen klebten an den teuren, exklusiven Boutiquen, den Luxuskarosserien, dem Casino und den Damen, die ihr Hunde in ihren Louis Vuitton Taschen spazieren trugen. Erstrebenswert fühlte es sich für mich nicht an, außer einem kleinen Designerkleidchen vielleicht. Ich verzog meine Lippen aufgrund der Unerreichbarkeit vor einem Schmuckladen und der Türsteher lächelte mich mit einem freundlichen Achselzucken an. Wo und wie verbrachte ich jetzt meinen Nachmittag? Ich erblickte eine Bar auf dem Dach eines Hotels und hörte die Musik herab schallen. Da wollte ich hin! Aber wie kam ich da hin? Und durfte ich da überhaupt hin?

 

Monaco Singlereise über dem Meer

Mission Im-Possible

Aus sicherer Entfernung beobachtete ich den Eingang und zwei Pförtner, die in ein Schwätzchen vertieft waren. Ich ergriff die Gelegenheit, um schnurstracks und selbstsicher an ihnen vorbei zu huschen. Ich war in der Lobby eines prunkvollen Hotels. Allgemein war das keine große Kunst, dort hinein zu gelangen, aber ich hatte ein größeres Ziel vor Augen – die Rooftop Bar. Für eine bessere Orientierung scannte ich langsam die Umgebung. Nur nicht zu auffällig, verwirrt oder suchend durch die Gegend blicken. Es sollte das normalste der Welt sein, dass ich mich dort aufhielt. Mein Herz schlug schneller und es pochte lauter zwischen den prunkvollen Geschäften mit Diamanten besetzten Pullovern und Schuhen in den Schaufenstern, ohne ausgezeichnete Preisangaben. Ich flanierte daran vorbei zur Toilette, um luxuriös zwischen Marmor auf Porzellan Wasser zu lassen. Der nächste Weg musste der zum Fahrstuhl werden. Ob ich eine Zimmerkarte für die oberste Etage benötigte? Ein junger Mann stieg ein und ich sprang hinterher. Er drückte den obersten Knopf. Perfekt.

 

Silikon, Botox und Champagnerfeten

Da stand ich nun, im Fürstentum Monaco, an einem der begehrtesten Flecken der Welt. Direkt vor einem riesigen Pool mit blauem Wasser mit Blick auf das Meer, weißen Designermöbeln, Liegen, einem Restaurant, chilliger Housemusic, und das bei sommerlichen Temperaturen, während in Deutschland die Kälte einbrach. Ich ging um das Wasserbecken herum, schaute auf die Küste und suchte mir ein Plätzchen im hinteren Bereich, aber dennoch in der Nähe des Pools. Ob jemandem auffiel, dass ich kein Hotelhandtuch besaß? Eine blonde Angestellte drehte regelmäßig ihre Runde, die mich jedes Mal aufschrecken ließ. Sie begleitete die Gäste zu ihrer Liege und breitete das Handtuch für sie aus. Eine sah aus wie Hannah Montana. Glücklicherweise trug ich meinen Bikini unter dem vergleichsweise günstigen High Society-Outfit und machte es mir freizügig bequem. Nach einer Stunde jagten mir die Streifzüge der Mitarbeiterin keine Angst mehr ein, und ich war vollkommen entspannt, glücklich und mehr als zufrieden. Das Leben war herrlich. Ob das die anderen Gäste in ihrem Alltag ebenfalls empfanden? Die Herren vor mir wurden mit Champagner bedient und legten ihre Rolex auch beim Schwimmen nicht ab. Die Uhr schien wasserdicht zu sein, nie zuvor hatte ich mir darüber Gedanken macht. Die weibliche Gesellschaft präsentierte ihre silikongeformten Kurven in der neuesten Bademode von Ansarystyle, La Perla oder Hervé Léger und posierte mit schlecht aufgespritzten Schlauchbootlippen für ihr Selfie-Marathon auf den Poolbetten. Keine Perspektive wurde mit einem dicken Kussmund ausgelassen. Ich genoss vier Stunden lang das Unterhaltungsprogramm, meinen persönlichen Luxus mit Sonne, fantastischer Umgebung, Meeresluft und himmlischen Klängen. Mal sehen, was mich am Abend noch erwartete.

 

Mein Dreier in Nizza

Die letzte kurze Nacht, und mein früher Aufbruch nach Monaco, machten mich müde. Den Abend im Bett zu verbringen war keine Alternative, also legte ich mich nochmal hin, bevor es wieder losgehen sollte. Plötzlich klopfte es. Es musste sich um ein Versehen handeln, doch es klopfte erneut. „Hello?“, rief ich vorsichtig. Keine Antwort, nur ein erneutes Klopfen und es wurde energischer. Einer der verrückten Typen von gestern? Vielleicht ein wenig paranoid, aber es war die einzig naheliegende Erklärung, die mir einfiel. Schließlich hatte ich schon mal einen Liebesbrief ins Hotel bekommen nach einer abendlichen, platonischen Bekanntschaft. Ich musste mich ruhig verhalten, irgendwann würde er von mir ablassen. Fünf Minuten penetrante Störung, dann öffnete sich die Tür. Panik schoss durch meine Adern. Zwei junge Männer traten vor mein Bett. Ich war froh, wenigstens mein rosafarbenes, plüschiges Glitzer-Shirt am Körper zu tragen. Es war der Rezeptionist mit einem Techniker im Schlepptau. Mein Feuermelder löste einen Alarm aus.  Für eine eventuelle Gefahrensituation hatten sie sich lange Zeit gelassen, um mich vor einem Inferno zu retten. Da wäre ich schon längst verkohlt gewesen. Wollten Sie etwa warten, bis Rauch unter der Türschwelle durchgestiegen wäre? Schwarzes Brikett mit rosafarbenem, plüschigem Glitzer-Shirt. Halbnackt, mit zwei Männern vorm Bett, war es vorbei mit meiner Nachtruhe. Ein Mann im Schlafzimmer, im Land der Liebe, hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. „Es tut mir leid, wir können den Fehler nicht beheben und sie müssen umziehen, aber erhalten dafür ein Upgrade“. Er erwartete einen theatralischen Auftritt und sprach deshalb seine Worte so vorsichtig und einfühlsam wie möglich. Stattdessen schmiss ich alles ungeordnet in den Koffer und wechselte in das stylerischere Kingsize Zimmer mit weicher Matratze, auf der ich es mir noch eine halbe Stunde bequem machte. Mein Magen knurrte, und ich suchte ein Restaurant auf. In der touristischen Pizzeria kam ich mir zum ersten Mal alleine und verloren vor. Die Kellner schauten mich mitleiderregend an und bedienten mich, als würde ich aus der Gosse stammen. Dabei lag ich eben noch zwischen Jachtclubbesitzern und Plastikbarbies. Ich suchte die gelb-grün gekachelte Toilette auf und als ich zurückkehrte, stand mein Essen bereits wortlos auf dem Tisch. Das „Bon appétit“ verflüchtigte sich gemeinsam mit dem Trinkgeld. Es war reine Nahrungsaufnahme, statt eines gemütlichen Dinners. Die Laune konnte mir das nicht verderben. Ich zog Richtung Innenstadt und mir lief der Lügen-Baron über die Füße. Er hatte mich nicht entdeckt und ging mit Lebensmittel-Einkaufstüten zu einer Hoteltür, die mit einem einzigen Stern ausgezeichnet war. Die Fassade des Gebäudes und seine Geschichten bröckelten. Und er wollte ein Appartement in Nizza kaufen? Natürlich.

 

Junkee auf Frenglisch

Auf dem Place Masséna tummelte sich eine kleine brasilianische Gruppe mit akrobatischem Capoeira, Rückwärtssaltos und heißen Rhythmen. Ich beobachtete das Treiben von einer langen Bank aus, auf der auch andere Leute saßen. Links von mir zwei Mädels und rechts von mir ein junger Mann, schwarze Haare, Jeans, Shirt und sein Smartphone in der Hand. „Toll oder“, sagte er auf Englisch. Seine Augen waren glasig und fast komplett schwarz, weil seine Pupillen stark geweitet waren. War er auf Drogen? Gegen einen kurzen Smalltalk war trotzdem nichts einzuwenden. „Darf ich dich auf ein Getränk einladen?“, fragte er. Ich lehnte dankend ab. Die Folge war ein bestimmtes, unfreundliches, drängendes Verhalten, halb französisch, halb englisch. „Was soll das und weshalb musst du so kompliziert sein? Ich wollte dich nur einladen! Was verstehst du daran nicht?“, wütete mich der Drogenkandidat an. „Was verstehst du an einem Nein nicht?“, entgegnete ich ihm ruhig, aber bestimmt. „Komm jetzt mit, ich will dir ja nichts, und stell dich nicht so an!“ Das ging eindeutig zu weit. „Die Diskussion ist beendet“, und ich verließ den schönen Platz im Herzen von Nizza, um mich ins freundlichere Nachtleben zu stürzen.

 

Bärtiger Hüftschwung

Ich entdeckte eine kubanische Bar, in der grade ein Tanzkurs stattfand. Die Cocktails waren erschwinglich und ich bekam meinen Sex on the Beach mit ordentlichen Umdrehungen. Kreiselig wurde es auch auf der Tanzfläche, der Laden war proppenvoll, die Stimmung positiv aufgeheizt, und ich drehte mit einem nach dem anderen meine Runden auf dem Parkett. Der erste Tänzer riss an mir herum, aber alle anderen hatten einen elektrisierenden Hüftschwung. Ich erlaubte mir eine Pause und plötzlich standen zwei Männer vor mir, die mich zum Tanz aufforderten. Der Bärtige kam eine Sekunde zu spät und verpasste, um eine Haaresbreite, mich aufzufordern. Noch zwei weitere Male musste ich einem anderen den Vortritt lassen, bis wir endlich zusammen fanden. Unser Tanz harmonisierte auf Anhieb. Er hatte strahlend blaue Augen und vermutlich steckte ein attraktiver Mann unter dem Gesichts-Salat. Der letzte Abend neigte sich dem Ende zu, es blieb bei stimmungsvollen Bewegungen und wir verabschiedeten uns. Ein zwanzig Jahre älterer Herr erfragte, beim Hinausgehen, noch meine Telefonnummer, aber wieder durfte ich ein nett gemeintes „Nein“ hinterlassen. Zufrieden legte ich mich in mein bequemes Kingsize Bett und hatte eine erholsame Nacht.

 

Au revoir mon chérie

Frühstück mit Blick aufs Meer und Koffer packen. Mich ergriff ein wenig Herzschmerz, das Land zu verlassen. Die Sonne war unter Wolken bedeckt, aber dennoch angenehm warm. Glücklich und zufrieden legte ich mich, die letzten beiden Stunden, an den Strand. Ich blätterte in meinem Buch und beobachtete die Menschen in meiner Umgebung. Ein Mann Ende dreißig. Er trug ein Streifenshirt, Rucksack, Short, Trekkingsandalen, Hut und eine Kamera um den Hals. Auffälliger konnte sich der Besucher nicht kostümieren. Er schrie optisch buchstäblich: ICH bin ein TOURIST! ICH bin ein TOURIST! Direkt am Meer vor mir pirschte sich ein Zwanzigjähriger an eine leicht übergewichtige Frau heran und setzte sich neben sie. Ich konnte ihre Poporitze sehen. Er verwickelte sie in ein Gespräch für die nächste Stunde und arbeitete vermutlich an ihrer Telefonnummer. Gut, dass ich heute verschont davon blieb. Zufrüh gefreut. Ich setzte mich in den Schneidersitz, um zu meditieren. Ich meditierte sonst nie, aber wollte diese Art der Entspannung bei frischer Meeresprise ausprobieren. Blöder als in einem Restaurant alleine vor einer fettigen Pizza zu sitzen, konnte es nicht werden. „Hey, are you doing Yoga?“, riss mich ein grauhaariger Mann aus meinem Meditationsversuch. Ich sagte ihm, dass ich gleich abreiste und er zog schnell wieder davon. Noch dreißig Minuten, bis ich mein Experiment an nichts zu denken, aufgeben musste. Ich war noch nie gut darin. Jetzt stürmte eine Herde chinesischer Selfie-Spezialisten den Strand. Einige Landschaftsaufnahmen und schon waren sie am nächsten fotografischen Objekt angelangt. In den letzten Tagen fragten mich die Männer öfter, weshalb ich Single sei, und ob etwas mit mir nicht stimmen würde. „Tja, da könnte ich ein Buch drüber schreiben“, grinste ich sie an. Gedanklich gab ich die Frage an den Sender zurück. Der Unterschied zu deutschen Männern war, dass Franzosen kontaktfreudiger waren, schneller die Initiative ergriffen und sogar nach der Telefonnummer fragten. Sympathische Eigenschaften, wenn sie dabei respektvoll und nicht aufdringlich blieben. In den drei Tagen durfte ich meine Fähigkeit „Nein sagen" stärken, besser meine Grenzen ziehen und mich aus unangenehmen Situationen entfernen. Meine große Liebe hatte ich noch nicht gefunden, aber ich entdeckte eine neue - die zur Stadt Nizza.

 

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