Kubareise nach Havanna: Sonne, Tanz und Entschleunigung

Alleine nach Kuba? Oder sogar eine Kubareise alleine als Frau? Wer als Single nach Kuba in die Karibik möchte, muss das nicht zwangsläufig mit einem Partner machen. Kuba Reisen und Havanna haben einiges zu bieten, die auch für alleinreisende Singles äußerst attraktiv sind.

Ankunft auf Kuba

Nach zehn Stunden Flug landete ich im Januar 2017 an Donald Trumps Amtseinführung in Havanna. Die beste Reisezeit des Jahres für Kuba, behauptet man. Und von dem Flughafen sollte ich noch länger etwas haben. Die Passkontrolle, Gepäckausgabe und Geld wechseln dauerte geschlagene zwei Stunden. Die kubanische Währung Peso (CUP) war nur direkt vor Ort zu erhalten und ich tauschte circa eins zu eins für das Zahlmittel der Touristen - die CUC.  Später versuchte ich mein Wechselglück in der wunderschönen Innenstadt von Havanna, wo ich mich erneut zwei Stunden in eine Schlange einreihen durfte. Im Nachhinein erfuhr ich, dass es nur am Wochenende zu diesen langen Wartezeiten kam. Das konnte man werktags locker in einer Stunde bewältigen.

Transfer zum Herzen Havannas

Auf meiner Singlereise nach Kuba hieß es dann ab ins Taxi Richtung Havannas Altstadt. Wir waren froh, uns für ein gelbes Taxi entschieden zu haben, da diese eine offizielle Lizenz hatten. Im Flieger las ich, dass die Fahrt maximal 30 Peso kosten und man den Preis vorher festlegen sollte. Der wichtige Hinweis, sich ein gelbes auszusuchen, fehlte. Der kräftige, dunkelhäutige, glatzköpfige Fahrer wies uns dafür auf die Besonderheit hin, soweit das auf spanisch mit Händen, Füßen und einer ausgeprägten Gesichtsakrobatik irgendwie möglich war, wenn man kein einziges Wort verstand. Aber mir gefiel seine Performance mit der Augenbrauenachterbahn und ich folgte ihm. Er hätte genauso gut sagen können: „Hey, weißes Mädchen, ich werde dich entführen, an einen Zuhälter verkaufen und das alles in einem Yellow Taxi.“ Untermauert mit einem Grinsen und den Fokus auf die beiden Schlüsselwörter „Yellow Taxi“, lächelte  ich zurück und wog mich annähernd in Sicherheit. Nach einer dreiviertel Stunde erreichten wir unsere Casa Particular.

Wie man sich bettet

Meine Casa - Unterkunft in der Straße Santa Clara wurde von Einheimischen bewirtet. Es gab Zimmer ab 30 Euro die Nacht und in dieser Straße sogar eine sehr moderne, neu renovierte Unterkunft für 110 CUC pro Zimmer. Meine Casa wurde von einem kleinen, dünnen Mann betreut. Er schleppte mein Gepäck eine enge Treppe hinauf. Der Koffer war fast größer als er und der Kubaner hätte problemlos selbst darin Platz finden können. Er führte mich zu meinem Zimmer mit den vier bis fünf Meter hohen Decken. Einfach, aber freundlich eingerichtet mit einer himmelblauen und einer hellgelben Wand. Das Zimmer war recht schmal, hatte ein altmodisches Bett und zwei Nachttische. Das eigene Bad war sogar sauberer als viele vier Sterne Einrichtungen, die mir untergekommen sind. Kein Krümel von Schimmel. Einen Schrank gab es nicht, auch keinen Tisch oder Stuhl, aber das wichtigste war vorhanden und mehr brauchte man schließlich nicht. Obwohl ich auf eine Sache doch nicht verzichten wollte – Strom! Meine beiden Adapter passten nicht. Der Hausherr sprach leider weder Deutsch noch Englisch. Die Stromthematik machte mir schon ein wenig Sorgen. Mal abgesehen von einer Frisur, als hätte ich mit dem Finger in die Leitung gegriffen, bedeutete es auch kein Handy. Das wäre im Urlaub nicht das Problem, wenn es nicht gleichzeitig auch keine Fotos bedeuten würde.

Kuba im Willkommenstest

Ich wagte die ersten Schritte in die Umgebung und war gespannt auf mein erstes Urteil. Musste ich als Singlefrau in Kuba Angst haben? Unsicher fühlte ich mich nicht. Und sonst? Top oder Flop? Überall sah man Oldtimer. Ein Plus für die Optik, ein Minus für den Vergaser. Bei den Autos wird einem sofort klar, dass ein gewisses Aussehen Schwierigkeiten im Umgang bedeutet, bei der Partnerwahl blickt man da nicht so leicht dahinter. Einen Stadtplan hatte ich natürlich auch nicht und ich orientierte mich an dem zerfallenen Putz der Häuser, um wie Hänsel und Gretel, den Weg wieder zurück zu finden. Ich bog an der ersten Kreuzung rechts ab und stand mitten in der Altstadt. Alte, farbenfrohe Häuser und Straßencafés untermalt mit lateinamerikanischen Rhythmen von Live Musikern. Meine erste Begeisterung war entfacht. Ich schlenderte mit frischer Kokosnussmilch durch die Straßen und fiel nach 24 Stunden bei einer Zeitverschiebung von 6 Stunden hundemüde ins Bett.

Startschwierigkeiten in Havanna

Meine erste Nacht im karibischen Traum war ein Alptraum. Das Fenster befand sich in zwei Meter Höhe ohne Glas mit innen liegenden Fensterläden. Der Lärm der Straße, ein krähender Hahn ab vier Uhr morgens, der laute Schwarm von Alfred Hitchcocks „Die Vögel“, die Moskitos, die mir um die Ohren flogen, das harte Bett, welches zu Rückenschmerzen führte und der Windzug von Draußen als würde ich unmittelbar auf der Straße liegen, führte nicht gerade zu einer entspannten Nacht. Dazu kamen die Toilettengänge der Nachbarn, die klangen wie Niagaras Wasserfälle und meine Sorgen um Strom und zu wenig Bargeld. Der Veranstalter empfahl 30 Euro am Tag inklusive Eintrittsgelder als vollkommen ausreichend. Limonaden und Alkohol fand man hier an jeder Ecke, Wasser dagegen bisher nur in einem Kiosk für 2 Euro die Flasche. Teurer als auf Mallorca. Mit zwei Flaschen am Tag, zwei bis drei Mahlzeiten für circa 12 bis 20 Euro und Veranstaltungen, kam ich auf etwa 40 Euro pro Tag. Günstig war Havanna nicht. Zusätzlich kleine Souvenirs wie Rum und Zigarren, Trinkgelder, Taxi und möglicherweise einen Ausflug und ich wäre bei fast 50 Euro pro Tag. Auf meine Kreditkarte zu setzen, schien auf den ersten Eindruck, ein Fehler gewesen zu sein. Ich war dieses Mal verdammt schlecht vorbereitet. Eine Häufchen Probleme, die ich als Herausforderungen sehen durfte.

Kuba und der europäische Stinkefinger

Erstmal eine erfrischende Dusche, um in den Tag zu starten. Nur leider kam kein Wasser mehr aus der Leitung. Ich war nur froh, dass noch kein großes Geschäft anstand, das bei dreißig Grad in der Toilette verweilend zu neuem Leben erweckt wurde. Aber tata, ich hatte alte Frischtücher im Gepäck. Freudig öffnete ich es und hielt ein vertrocknetes Tuch in meinen Händen, zum Glück hatte ich noch ein wenig Handdesinfektionsmittel. Julia kämpfte mit den gleichen Anfangsschwierigkeiten. Ich lernte sie in einem Single Reiseforum kennen und wir verabredeten uns zu einem gemeinsamen Singleurlaub. Mal sehen, was uns beim Frühstück in unserer Casa erwartete. Direkt auf der Terrasse im Innenhof unserer Unterkunft begegnete uns Melanie und Mark. Ihre Toilettenzeiten hatte ich ja bereits kennen gelernt oder die der Nachbarn über mir. Wir gesellten uns zu ihnen und der Hausbesitzer rannte liebevoll los, um uns die erste Mahlzeit des Tages zu bringen. Als wir ihm erklärten was Heidi Klums Stinkefinger auf seinem Shirt bedeutete, lernte er eine neue, freundliche, europäische Geste kennen. Peinlich berührt lief er davon und kam mit zwei gefüllten Tellern wieder. Frisches Obst, selbstgemachte Smoothies, Tee und Kaffee. Julia griff noch zu den kubanischen Weizen-Brötchen und Honig. An das angebotene Ei traute ich mich nicht heran. Obwohl es vermutlich die Frau des Hahns heute Morgen um vier höchstpersönlich gelegt hatte. Für einen Vegetarier das perfekte Frühstück. Sehr lecker. Melanie und Mark waren für eine Tanzreise nach Kuba gereist und wollten ihre persönlichen Rhythmus-Erfahrungsberichte sammeln. Salsa und Kuba gehörten zusammen wie Topf und Deckel, und auch wir hatten mit unseren Hüften am Abend noch einiges vor.

Wasser, Strom und Geldfluss laufen

Schon mehrere Tage ohne Handy, whatsapp, Telefon, TV oder im Internet surfen. Ich fühlte mich viel entspannter und befreiter, für einige Zeit mal nicht auf der modernen kommunikativen Welle zu schwimmen. Wer diesbezüglich nicht auf dem Trockenen sitzen wollte, konnte sich einen Code kaufen, und damit ein bis zwei Stunden jeweils in die weltweiten digitalen Sphären eintauchen. Die WLAN Hotspots waren schnell gefunden. Es war immer dort, wo man eine Pokemon Gemeinde vermutete. Menschenansammlungen, die auf ihre Mobiltelefone starrten, statt von kubanischen Emotionen überflutet zu werden. Kein Internet war also kein Problem, aber die Bargeldthematik drohte mich zu ertränken. Ich war nicht flüssig genug und in den Geschäften und Restaurants waren keine Kreditkartenzahlungen möglich aber glücklicherweise konnte ich mit Visa und Ausweis bei der Bank Geld bekommen, ohne baden zu gehen. Eine befand sich an der Ecke zwischen Plaza Vieja und der Kirche am Plaza San Fransisco. Im Gegensatz zu den Wechselstuben musste man dort nicht Schlange stehen. Die Aushändigung des CUCs erfüllte mich mit großen Glücksgefühlen. Der Geldfluss, nicht mehr beim Essen und Trinken sparen oder jede Ausgabe hochrechnen zu müssen, war extrem erleichternd.

 

Ich blickte in den Spiegel und stellte fest, dass der fliegende Blutsauger nachts von mir getrunken und mich zweimal ins Gesicht gestochen hatte. Jetzt fand ich ihn leblos auf der Badezimmertoilette liegen. Verdauungsschwierigkeiten meines Mojitos? Mit dem Kater um die Ecke gebracht? Nach einem Zickzackflug den Kopf an dem hochgeklappten Klodeckel angeschlagen? Eine Wiederbelebung, ihn mit kleinen Klopapierfetzen zu mumifizieren oder die Asche im Meer zu verteilen, zog ich nicht in Betracht. Stattdessen spülte ich ihn mit einem kurzen Segen den Abfluss runter. Und auch das Wasser floss wieder in geregelten Bahnen, zumindest für die kommenden zwei Tage. Der externe Verantwortliche feierte lieber, statt seinen Verpflichtungen nach zu gehen. Eine kleine Katzenwäsche mit stillem Agua musste in den Ausfallstunden ausreichen. Sich vorher ordentlich einzuseifen war weniger clever als ich dachte. In anderen Casas konnte das schon mal zum Dauerproblem werden oder man hatte nur kaltes Wasser. Und die Betten waren oft mit Plastikbezügen überzogen. Eine quietschende Angelegenheit beim Wenden, aber eine Lösung bei Harn-Inkontinenz und eingeseift darüber zu flutschen, könnte eine neue landestypische Disziplin hervorrufen. Mal ganz abgesehen von den durchgelegenen Kuhlen in der Mitte, die entweder das Tempo stoppten oder zur Sprungschanze fungieren würden. Mein plastikfreies Bett war demnach eines der Luxusvarianten. Außerdem gab es bei uns immer Toilettenpapier. Na ja, zumindest in den ersten vier Tagen. Keine Selbstverständlichkeit und man tat gut daran, immer eine Rolle in der Tasche dabei zu haben oder wenigstens genügend Taschentücher einzustecken. Die Kubaner trugen nie Klopapier mit sich. Stellte sich die Frage, wie sie dieses Problem lösten. Beim nächsten Shake-Hands würde ich vermutlich noch mal darüber nachdenken. Mein Rücken hatte sich bereits an die neuen Liegeuntergründe gewöhnt und sich brav von den Rückenschmerzen verabschiedet. Was den Strom betraf, sowie die Verständigungsschwierigkeiten mit dem Hausherrn, wurde unser spanisch sprechender Nachbar Mark zum Retter mit dem zusätzlichen Adapter in der Tasche. Gottseidank, Herausforderungen gelöst.

Von der Beerdigung auf Bewährung raus

Zur Feier des Tages und im Sinne des Leichenschmauses wollten wir es uns bei einem gemeinsamen Abendessen gut gehen lassen. Es war zwar ein Stück zu laufen, aber das ausgesuchte Restaurant sollte den Aufwand entlohnen. Ich war froh eine Weste dabei zu haben, denn es wehte ein gutes Lüftchen. Ein Schlechtwettertag. Die Wellen schlugen an manchen Stellen über die Promenade, ein beeindruckendes Schauspiel. Plötzlich hörten wir Pfiffe. Ganz im Touristenstil ignorierten wir sie und liefen unbeirrt weiter. Zumindest solange, bis ein Wachmann aus der Dunkelheit wild mit den Armen fuchtelnd und pfeifend auf uns zu stürmte. Ich fasste blitzschnell mehrere ganz klare Gedanken: „Häääääh?“, „Maaaarrrkk?“, und „Scheiße, wir kommen in den Knast!“. Meine hoch gezogenen Brauen, aufgerissenen Augen und runter gefallener Kinnladen unterstützen meinen fragenden Gesichtsausdruck. Besonders als er den Retter böse ansah, auf ihn einschimpfte, sich dann wieder die Trillerpfeife in den Mund steckte, einen schrillen Ton von sich gab und erneut auf ihn einbrüllte. Er versperrte uns den restlichen Weg zum Restaurant. Zum Glück, denn der Sturm hatte riesige Felsbrocken an die Küste gespült. „Dämliche Touris. ;)“

Kuba - saufen, schlemmen, shoppen

Wir fanden ein Restaurant in der Einkaufs-, Marktstraße Obispo. Ein nett eingerichtetes Privathaus, welches zum Leben, Wohnen und als Restaurant genutzt wurde. Ich versuchte mich auf Beilagen zu beschränken, um auf Fleisch zu verzichten, das nur mit Mühe möglich war und weichte auf Fisch aus. Meistens wurden Platten angeboten. Man bestellte Hühnchen, Rind, Schwein oder Fisch und man bekam dazu gemeinsame Beilagenteller mit Reis, Weißkohlsalat, Bananen- oder Süßkartoffelchips, die immer sehr schmackhaft waren. Besonders lecker, aber ein wenig teurer aßen wir im Restaurant Oriente am Plaza San Franciso. Plaza Vieja war der Dreh- und Angelpunkt der Stadt. Hier fand man eine interessante kostenfreie Ausstellung mit sozialkritischen Zeichnungen, Veränderungen durch Modernisierung, zwischenmenschlichen Beziehungen und guten Restaurants. Man bekam dort auch günstig einzelne Gerichte oder Sandwiches, wenn die Kubaner nicht gerade versuchten einen mit dem Preis oder Trinkgeldern, die sie manchmal in beliebiger Höhe darauf schlugen, über den Tisch zu ziehen. Man tat gut daran, die Karte zu studieren, sich die Rechnung geben zu lassen und diese auch mal nachzurechnen. Die Rösterei war ein beliebtes Kaffeeplätzchen, obwohl man schon mal eine Stunde auf seinen Café warten konnten. Im Dos Hermanos an der Promenade des Hotspot Hotels Santander, erfreute ich mich an vegetarischen Beilagen und an einem genüsslichen Mojito. Meistens waren die so stark, dass man meinte, man würde Schnaps aus einem Wasserglas trinken. Danach bekam man nicht nur beim Salsa, sondern auch im Kopf ordentlich Umdrehungen. Leider gab es am Plaza Vieja bereits ein Restaurant, das sich manchmal selbst zum kubanischen Ballermann erklärte und vertikale Bier-Meter anbot. Der erste Junggesellenabschied machte sich mit Kuba Olé T-Shirts zum Komasaufen startklar. Und was das Shopping anging, machten sich neben einer Vielzahl von Souvenirläden Geschäfte von Adidas, Puma, Diesel und Lacoste bereits in Havanna breit, während die amerikanische Coca Cola noch in nahezu allen Läden boykottiert wurde.

Kubas Salsa Soße im Blut – ay!

Mark und Melanie schwärmten täglich von ihren Kuba Salsakursen, und bevor wir uns orientierungslos in die kubanischen Tanzbars verirrten, beschlossen Julia und ich uns einen Crashkurs in Rumba, Son, Salsa, Mambo und der Rueda geben zu lassen. Eins, zwei, drei, fünf, sechs, sieben. Pausen auf vier und acht und beim Son plötzlich der erste Schritt auf die eigentlichen Pausen. Für den Einstieg ein wenig verwirrend, auch die ungewohnten Bewegungen. Nicht mit der Hüfte, sondern dem Oberkörper wackeln und ein Rückwärtsschritt wie beim Moonwalk. Der Mann ist der Herr über die Tanzfläche! Er sagt der Frau, wann es wo lang geht, sie vertraut und folgt ihm. Stellt sie sich dämlich an, trägt er vielleicht eine Teilschuld, wegen falscher nonverbalen Kommandos? Schafft er es, mit ihr eine tänzerische Einheit zu bilden, kann er die Dame so durch den kubanischen Raum wirbeln, dass sie ihn dabei verdammt gut aussehen lässt. Gute Tänzer sind sexy und lassen die Frauenherzen nur so dahin schmelzen. Aber schaue ich mir eine Vielzahl der deutschen Männer an, dessen Beschwerden mich erreichen, warte ich noch auf den Tag mit dem traurigen Ausspruch: „Aber ihr Frauen wollt doch so emanzipiert sein, dann könnt IHR ja jetzt gefälligst auch führen! Ihr pickt euch immer nur die Rosinen raus!“ Ay, ay, ay, eins, zwei, drei… Manchmal standen die Kubaner sogar für uns auf, wenn wir uns setzen wollten oder brachten uns einen freien Stuhl an den Tisch, und es lag nicht stets daran, dass sie mit nach Deutschland wollten. Very charming und kein Wunder, wenn die ein oder andere Dame in Havanna dann schwach wird. In den Bars traf man eher Männer an, die für kubanische Verhältnisse etwas besser gestellt waren.

Das Wetter, die Sonne, die Musik, Kuba und unsere allzeit grinsenden Havanna-Tanzlehrer motivierten uns mit einem aufbauenden „sehr gut“ und „ay“, selbst wenn wir uns wie Baby im Film Dirty Dancing fühlten und gerade die Hebefigur versauten. Nur mit dem Unterschied, dass meine Hebefigur der Cuba-Salsa Grundschritt beim Rückwärtslaufen war.

Schockzustand in Havannas Nachtleben auf dem Parkett

Der Salsa Tanzschritt saß und wir waren bereit für das Havanna Nightlife und die Salsabars der Nacht. „1830“, „Hotel Florida“, „Casa Musica“ , „La Gruta“ oder andere Hotelbars waren ab sofort nicht mehr vor uns sicher. Oder sollte ich sagen, wir waren dort nicht sicher? An einigen Tagen fühlten wir uns wie auf dem Heiratsbasar, wo wir die angebotene Ware waren. Musik füllte die karibischen Straßen mit Leben. Ein kleiner Junge zog eine Lautsprecherbox hinter sich her, die größer als er selbst war und seine Freunde übten Liegestütze im Takt. In Havanna oder ganz Kuba hatte jeder Rhythmus im Blut. Einige verlagerten es aber auch in tiefere Regionen, das zu eindeutigen Angeboten führte. Schnell hatte Single-Frau beim Tanzen mal eine Hand am Arsch, eine Zunge am Hals oder Küsse auf den Armen. Weist man sie darauf hin, dass man es unmöglich findet, entschuldigen sie sich und rechtfertigen es mit „Part of the Musica“. Bei keinem Tanz der Welt gehört abknutschen zur Tanzeinlage dazu. Julia bekam sogar 10 CUC für eine Nacht geboten. Frechheit! Er hätte wenigstens noch 2 Mojitos drauf legen können. Sie fragten aber auch ohne Entgelt, ob man mit ihnen die Nacht verbringen wollte. Höflich und normal, als würden sie sich nach der Uhrzeit erkundigen. Man sollte als Antwort immer einen Ehemann im Hotel parat haben, wenn man sich nicht auf weitere Diskussionen einlassen oder mitgehen wollte. Egal ob man Single war oder nicht. Den Gatten im fernen Deutschland zu platzieren, erschien ebenso hilfreich, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt. Den Spaß am Salsa konnte uns das nicht verderben. Wir schwebten über das Parkett der Karibik und wackelten mit Armen und Oberkörpern, was die Bandscheiben her gaben. Mein Blick blieb einige Zeit an einem hübschen, hellhäutigen Mann hängen. Schlank, Dreitagebart, schöne Augen, um die Mitte Dreißig. Er trug Jeans und ein graues Shirt. Der attraktive Italiano ging auf Flirtkurs mit mir und ließ seine dunkelhäutige Begleitung samt seines Freundes dafür sitzen, um die Zeit mit seinem Hüftschwung bei mir zu verbringen. Gut, dass ich einen Kurs gemacht hatte! Und bevor sich mein weiblicher Matrixfehler mit dem Umzug nach Italien beschäftigte, schaltete sich bei dem charmanten Südländer mein schlechtes Bauchgefühl ein. Was mir das wohl sagen sollte? Alessandro schien es gar nicht zu gefallen, dass ich in Begleitung von Julia war. Er steckte mir seine Nummer zu, sagte, er wolle mich gerne wieder sehen, drückte mir einen Kuss auf die Wange und verschwand. Und wie es der Zufall so wollte, kreuzten sich unsere Wege tatsächlich am darauf folgenden Tag erneut in der Casa Musica. Eine Location mit Live Musik, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Alessandro arbeitete in der Luft, und auch am Boden ließ er keine Gelegenheit aus, um seinem zweideutigen Job als bedienende "Saftschubse" alle Ehre zu machen. Nachdem er seine Zunge tief aus dem Rachen der dunkelhäutigen Kubanerin vom Vortag gezogen hatte, begrüßte er mich kurz mit entgleistem Gesichtsausdruck. Man sieht sich wohl doch immer zweimal im Leben, selbst in Havann und Kuba.

Sextourismus auf Kuba

Immer und am liebsten überall? Die Kubaner sind sehr offen, was ihre Sexualität angeht und lassen keine Gelegenheit aus, etwas an den Start zu bringen. Sei es beim Tanzen, auf der Straße, wenn sie den Frauen hinterher küssten oder pfeiften, sich beim vorbei gehen an dich ran schmissen oder für horizontale Dienste bezahlt werden wollten. So offensiv sie auch sein mögen, als Frau darf man sich trotzdem alleine vor die Tür trauen. Eines Nachts stand ich fünfzehn Minuten verzweifelt vor der Tür, weil diese nicht aufzubekommen war und es boten mir mehrere Kubaner Hilfe an, es ebenfalls zu versuchen. Der Dritte schaffte es ganz ohne Anmache. Wer es auf mehr anlegen möchte, hatte Erfolg. Während sich in Thailand die Männer die Frauen kauften, kommen hier die Damen bei den jungen Kubanern auf ihre Kosten. Bei einer reiferen, weißen Frau mit einem jugendlichen, schwarzen Mann an ihrer Seite, handelte es sich kaum um ihren Sohn. Die kubanischen Frauen dagegen biedern sich eher der jüngeren Generation an. Dabei wird Mann mit einem Durchschnittseinkommen zum Pascha der Welt. Zumindest, bis ihn die Realität irgendwann wieder einholt, dass er sich lediglich den Spaß und keinen langfristigen Selbstwert, geschweige denn Liebe, erkaufen kann, auch wenn das kubanische Souvenir das eigene Ego für kurze Zeit ordentlich aufpoliert. Aber warum nicht?

Zum Strand mit Doktor Sommer

Am Parque Central konnte man den Bus T-3 für 5 CUC zum Strand nehmen. Dieses Mal entschieden wir uns für ein Oldtimer Taxi für 20 CUC, das uns nach Playa Santa Maria Hotel Tropicoco fuhr. Verhandlungssache! Normalerweise sollte man dafür nicht mehr als 15 CUC ausgeben und es sollen schon welche für 12 geschafft haben. Anschnallgurte gab es in der rollenden Zeitmaschine aus der Vergangenheit keine. Der Fahrer sprang kurzeitig aus dem Auto, um eine Bekannte zu begrüßen und führte dann ein Telefonat. Ich vermisste es nach einer Woche noch immer nicht, vom Rest der Welt abgeschnitten zu sein. Ich fragte mich zwar manchmal, was wohl so anstand, aber irgendwie war es auch nicht so wichtig. Das Leben funktionierte wunderbar ohne tägliches Social Media und Horrornachrichten, aber ich konnte mir vorstellen, dass mir schon bald ein Stück Heimat fehlen würde. Momentan genoss ich das Hier und Jetzt und das teilweise türkisblaue Meer. Bei unseren Tanzstunden lernten Julia und ich Sven und später Steffi kennen, die uns zum Beach begleiteten. Kaum angekommen rissen wir uns die Klamotten vom Leib und rannten in die seichten, warmen Fluten. Neben uns umarmte sich ein älteres Paar. Süß - auf den ersten Blick. Der Mann hatte weiße Flecken von der Sonnencreme im Gesicht und sie einen Kurzhaarschnitt mit einigen Kilos zuviel auf den Rippen. Bei näherem Hinsehen, versuchten wir zunehmendes von ihnen Abstand zu gewinnen.

„Liebes Dr. Sommer Team, kann ich von Sperma in Meerwasser schwanger werden?“ Dann war es mir fast lieber, wenn jemand stattdessen rein pinkelte. Auf den Schock eine Kokosnuss, die mit Rum gefüllt wurde. Salute! Die Stimmung hebte sich. Live Musiker spielten Salsa und ich war noch in der Lage mit einer Pause bei vier bis sieben zu zählen. Sven schnappte mich und wir tanzten knapp bekleidet durch den Sand. Der Vorteil bei einer Frau ab Mitte Dreißig ist, dass es ihr vollkommen egal ist, ob ihr eigener Arsch Celluliteplacken hat, die jemand entdecken könnte oder nicht. Sie gibt ihr freudiges Lebensgefühl nicht für einen Schönheitsmakel auf. Kaschieren ja, verstecken und sich dadurch begrenzen nein. Sie pfeift auf vernichtende Kritiken fremder Menschen. Die Mini Röcke, die irgendwann länger und bis über die Knie gingen werden wieder kürzer, wenn sie sich gut darin fühlt. Sie wird gelassener und nimmt sich selbst wie sie ist. Meistens zumindest.

Regentag auf Kuba

Die beste Reisezeit bringt nicht nur warme Temperaturen, sondern auch sommerliche Schauer. Lange Hose und ein leichter Pullover sollten im Gepäck nicht fehlen. Was unternahm man in Havanna, wenn man keine Museen besuchen und bereits mit der Fähre nach Casablanca übersetzte, um Jesus im Regen zu fotografieren? Julia buchte weiterhin Tanzstunden. Und ich betrachtete das Treiben der Leute, schwelgte in einer Welt ohne Anschluss an den Rest, las ein Buch oder philosophierte in einem Café gedanklich über das Leben. Manche nannten es Langeweile, andere Entschleunigung. Nichts spielte eine Rolle. Kein Terror, der Angst und Panik verbreitete. Ob irgendwo etwas Schlimmes geschehen war? Was hatte Trump wohl in seiner ersten Amtswoche angestellt? Wir wussten es nicht. Der Regenschauer ließ nicht nach und meine Gedanken waren frei von Alltagsströmen, die uns verunsicherten. Brauchten wir all diese Informationsflut wirklich, um als intelligent betrachtet zu werden? Zählte es zur Allgemeinbildung so viele negative Energien wie möglich aufzusaugen, um uns vor möglichen Attacken besser schützen zu können? Bezeichnete Allgemeinbildung nicht nur das Meinungsbild, das sich die Allgemeinheit bildete, die uns durch die Medien als Wahrheit verkauft wird? Meine größte aktuelle Sorge war die Frage um die Höhe des Trinkgeldes, und ob mich das Café wieder abziehen wollte. Bei 3,50 CUC für ein Wasser konnte man durchaus davon ausgehen. Man brauchte hier keine Angst zu haben überfallen zu werden, die Kubaner bescheißen einen einfach ganz offiziell. Sei es, wenn sie plötzlich einen anderen Preis wie auf der Karte verlangten oder einen CUC für einen Streifen einlagiges Toilettenpapier wollten. Bei einem Durchschnittsmonatsgehalt von 20 CUC wäre das so, als würde ich ihr mit umgerechnet einem Euro 100 Euro auf das Tellerchen legen. Sie haben hier tatsächlich nicht viel und es ist noch ein sehr armes Land, daher sollte man es sportlich sehen. Der Nachmittag war angebrochen und das Abendessen weit entfernt. Ich legte mich auf mein Zimmer, schlief kurz und lag die restlichen drei Stunden einfach nur da. Wann hatte ich das jemals getan? Absolut nichts tun. Vielleicht Muttermale zählen? Im Sein mit den eigenen Gedanken, ein meditativer Zustand der Ruhe. Ent-Spannung pur. Ich betrachtete meine blauen Flecken an den Beinen. Die Federn der Matratze bohrten sich bereits stellenweise in mein Fleisch, aber egal.

Mein Baby gehört zu mir

Der letzte Tag unsere Reise und in Kuba war gekommen. Julia und ich mischten uns noch mal tänzerisch unter die Kubaner. Eins, zwei, drei, fünf, sechs, sieben. Im Gegensatz zu den Salseros hatte ich meinen eigenen Stil entwickelt. In der Betrachtungsweise möglicherweise ein wenig exotisch. Vermutlich war das der Grund, weshalb mich plötzlich eine junge Frau auf der Tanzfläche überfiel, mir einen gut gebauten Kubaner an die Hand gab und mich auf die Bühne zerrte. Da stand ich nun zwischen zwei weiteren Paaren, während eines nach dem anderen ihre Show präsentierte. Nun waren wir dran. Mein Herz pochte. Die Scheinwerfer wurden auf uns gerichtet und ich blickte in fünfhundert erwartungsvolle Gesichter. Der Moderator erzählte etwas auf Spanisch. Ich verstand kein einziges Wort und dann hielt er mir sein Mikrofon vor den Mund: „Ich hab` eine Wassermelone getragen.“ Fand ich in dem Moment irgendwie witzig, hat aber ebenfalls niemand verstanden. Applaus und los ging`s. Allem voran meine rutschende Hose und mein Shirt, das versuchte sich nach oben und in jegliche seitliche Richtungen zu verflüchtigen, so dass ich gefühlt halbnackt im Rampenlicht hin und her sauste. Dem Publikum schien entweder das oder unsere Performance zu gefallen. Gedanklich hörte ich Patrick Swayze im Film Dirty Dancing mit zusammen gekniffenen Augen in die Menge sagen: „Ich tanze immer den letzten Tanz der Saison..“ Und so sollte auch mein letzter Tanz auf Kuba und Havannas Bühne enden. Wer hätte das gedacht?

Kuba Fazit

Havanna eignet sich nicht nur als Tanzreise, sondern auch, um im Hollywood Stil mit Oldtimern und fehlender Technik in die Vergangenheit zu schreiten. Hin und wieder hielt ich mich ohne Julia in Cafés auf und man fand als Alleinreisender schnell neue Kontakte. Ich hatte trotz eindeutiger Angebote nie das Gefühl Angst haben zu müssen.

Kuba bedeutet Musik. Überall hörte man die rhythmischen Klänge. Plätze und Straßen waren trotz runter gekommener Häuser und mangelnder Hygiene relativ sauber. Mir ist auch nie ein Tänzer unter gekommen, der schlecht gerochen hatte. Eine Zeit in Havanna und das Leben findet im absoluten Jetzt statt. Vorausgesetzt, man möchte sich auf dieses Geschenk einlassen und man reiht sich nicht eine Stunde in einer Schlange ein, um einen WLAN Code zu den Katastrophen der Erde zu erhalten. Zu Facebook war ohnehin auch damit kein Zugang zu erhalten.

Und gerade dann entdecken wir wieder unsere Möglichkeiten!

Dankbarkeit für das, was wir haben. Von sauberem Wasser, gemütlichen Wohnungen bis hin zu guten Lebensmitteln. Was uns oft fehlt ist die Lebensfreude und wir haben unsere gesunde Kommunikation im Datenstrom verloren. Treten wir wieder einen Schritt zurück. Havanna ist ein drei Millionen Dorf. Trotz der vielen Leute, haben sich die Wege all der Menschen, die wir hier kennen lernen durften durch seltsame Begebenheiten immer wieder gekreuzt. Mit niemandem standen wir per Telefon in Kontakt, trafen uns aber trotzdem zufällig immer wieder. Und das ständig. Verabredungen funktionierten ohne Handy, selbst wenn man sich aus den Augen verlor, landete man unvorhergesehen wieder zusammen. Wie genau plant das Schicksal uns, wenn wir nicht versuchen die Kontrolle zu übernehmen? Ein Aspekt, der mich neben der Entschleunigung am meisten beeindruckte. Das Internet gibt uns zusätzliche Vorteile und es liegt an uns, wie wir die Informationen filtern und nutzen wollen. Es verbindet Nationen und stellt den Kontakt zu Menschen her, die wir lieben und vermissen. Die Verbreitung unserer Mitteilungen, Bilder, Worte und Philosophien, um zu informieren oder von Erfahrungen zu berichten. Neue Begegnungen und neue Verbindungen schaffen. Die Aufmerksamkeit auf die wichtigen Dinge lenken und Andere ein Teil unserer Reise werden lassen.

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