Schon wieder Camyuva

Singleclub Camyuva Teil 2

Ich konnte es nicht fassen, aber ich machte es tatsächlich – noch einmal! Damals konnte ich mir zwar eine Wiederholung vorstellen, aber wirklich daran geglaubt, hatte ich nicht. Außerdem hätte ich mittlerweile ja auch schon verheiratet, eine schöne Beziehung und das erste Kind im Gepäck haben können. Hatte ich aber nicht. Familienurlaub, statt Single Partyclub in Camyuva. Karibik zu dritt, statt Cocktailfähnchen mit unbekannten anderen Singles. So hatte ich es mir eher vorgestellt. Allerdings gab es wesentlich Schlimmeres im Leben als einen Urlaubsort, an dem ausgelassen gefeiert, gut gegessen wird, man Spaß hat und Sport treiben kann. Single sein konnte ja manchmal so schwer sein. Warum also nicht das Beste aus der Situation machen. Das Schicksal, wann man wirklich seinen Seelengefährten traf, hatte seinen eigenen Plan. Bis dahin konnten wir unsere Beziehungen auf Vordermann bringen, Blockaden lösen, zu mehr Ruhe, Zufriedenheit und Gelassenheit gelangen, um aus der nächsten Begegnung nicht nur ein Zeitabschnittsgefährten oder eine weitere schmerzvolle Erfahrung zu machen. Wenn wir gebrochene Herzen vermeiden wollten, machte es Sinn, sich stets weiter zu entwickeln, um aus Vergangenem zu lernen.

 

Nacktscanner für Singles

Mein Koffer war gepackt, meine Vorfreude groß und ich reihte mich am Flughafen an den Kontrollen ein. Ich reiste sehr viel alleine und war gespannt darauf, was und wer mich dieses Mal erwartete.

Die Blondine an der Handgepäckkontrolle vor mir, hatte ihren Fan bereits gefunden.

 

„Bitte legen Sie Ihren Schal in die Kiste“, wurde sie höflich aufgefordert.

Die Dame dachte nicht daran und verzog keine Miene. Wenn ich so in ihr Gesicht sah, vermutete ich, dass das aufgrund chirurgischer Eingriffe alleine physikalisch schon gar nicht mehr möglich war. Nur ihre Feuerblitze aus den Augen, erweckten bei mir den Eindruck, dass sie anscheinend böse war. Auf wen oder was auch immer. Strafend sah sie den Herrn an und rannte zum Nacktscanner.

„Wieso musste sie ihr Zeug nicht ablegen?“, fragte ich verwirrt den Angestellten am Band.

„Weil sie eine osteuropäische Königin ist!“, erwiderte er mit ruhigem, aber ironischem Tonfall.

„Na die haben sie hier sicher öfter?“

„Also ihren Job wollte ich nicht machen“, hörte ich die Dame hinter mir ihm zurufen.

„Ich auch nicht!“, seufzte er.

Und wieder wurde mir bewusst, wie viele Menschen nicht das taten, was sie eigentlich liebten. Manchmal konnte ich meinen Schritt auch immer noch nicht glauben. Guter erfolgreicher Job, angesehene Firma, internationales Eventmanagement. Plötzlich eingetauscht, um zu schreiben, beraten, Menschen zu inspirieren und sie auf ihrem Weg zum Glück und zur Liebe zu unterstützen. Von überall auf der Welt arbeiten, sein Leben selbst bestimmen.

 

Mit Bremen zum Singleabenteuer

Doch jetzt hieß es erst einmal ausspannen und die Arbeit und Singleberatungen vergessen. Wenigstens für einen Moment oder einige Tage. Abschalten und Spaß haben! Einfach als Single in Camyuva! Ich war gelandet und es wurde dunkel. Immerhin war es nicht wieder mitten in der Nacht, so dass mir meine kleinen paranoiden Anflüge, noch vor der Clubankunft zerstückelt in einer Gasse zu landen, dieses Mal erspart blieben.

„Willkommen Frau Kretz, die anderen sind schon da und es kann losgehen. Drei Männer warten auf sie“, begrüßte mich der Reiseleiter.

Na, das waren doch gute Voraussetzungen. Das männliche Empfangskomitee aus Bremen verkürzte die lange Transferzeit auf gefühlte wenige Minuten und noch vor dem Check in verschwanden wir zum gemeinsamen Abendessen.

Ich schnappte mir meinen Teller und lief noch vor dem ersten Salatblatt Christian über den Weg, den ich mit seiner Truppe beim letzten Urlaub hier kennen lernte. Camyuva war ein Dorf. Essen mit neuen Bekannten, anschließendes Feiern mit alten Freundschaften und der Urlaubseinstieg war bestens angelaufen. Bei flotten House Klängen ließ auch der ein oder andere Jäger nicht lange auf sich warten. Ein Grund, weshalb sicher viele zum Camyuva Wiederholungstäter wurden. Man konnte als Alleinreisender mit Leichtigkeit Anschluss finden und musste nicht lange alleine bleiben. Mit welchen Absichten auch immer. Doch dazu mehr in einem späteren Kapitel.

 

Single Aktivurlaub

Ich nahm mir fest vor, dass Aktivprogramm ausführlich zu nutzen, so dass mein halber Koffer aus Sportklamotten bestand, die ich jedoch nur anfänglich berührte. Der Urlaub war frisch, die erste grandiose Party vorbei und die Vorsätze zum Urlaubsbeginn noch irgendwie realistisch. Vielleicht auch, weil Regenschauern mir anderthalb  Strandtage vermiesten. Meine sportliche Motivation trieb mich begeistert in den ersten Kurs. Fit war ich allerdings nicht lange, als ich mich auf mein Core konzentrieren, Muskeln anspannen, Stellung halten, in der aufgegangene Morgensonne verharren und irgendwie das Atmen dabei nicht vergessen sollte. Der Pilates Kurs schenkte mir trotz der Anstrengung nicht nur ein gutes Gefühl, sondern auch Karin und Kerstin, die ebenfalls beide allein angereist waren. Ab da waren wir unzertrennlich und während wenigstens eine von uns, die folgenden Sportprogramme tapfer absolvierte, entschied ich mich am nächsten Tag für passives Muskeltraining mit einer Massage und plantsche mit Kerstin im Meer. Wir hatten eine ausgesprochen gute Rollenverteilung. Schon nach wenigen Stunden hatten wir den Eindruck, uns bereits ewig zu kennen. Aber nicht nur das, denn unsere kleine Gruppe wuchs von Tag zu Tag an, so dass wir, bis die ersten wieder abreisen mussten, uns auf eine Größe von acht Personen anstieg. Tag und Zeit verloren sich nach kürzester Anwesenheit in der türkischen Sonne, am Strand und im Camyuva Land.

 

Was macht Camyuva so besonders?

Hier trafen sich die unterschiedlichsten Charaktere und Individualisten und die meisten hatten eines gemeinsam: sie waren Single und liebten Camyuva. Kaum jemand war das Erste mal hier, auch einige Paare kamen regelmäßig ins Robinson Abenteuerland. Aber was machte es tatsächlich so besonders? Gutes Essen, Sportvielfalt, rundum Sorglospaket oder eben doch etwas ganz anderes?

 

Sexbuffet und Gefühle

Ich beobachtete die ständig wechselten Paare, die sich an dem einen Abend noch küssend, leidenschaftlich in den Armen lagen, aufregende Gespräche durch die Nacht begleiteten und sich am nächsten Tag nicht mal mehr etwas zu sagen hatten. Als hätte man sich nie gekannt, nie eine Gemeinsamkeit entdeckt, sich nie ausgetauscht. Ignoriert, am Buffet beschämt die Flucht ergriffen, weil man Angst hatte, dem Menschen, mit dem man vorher eine kure Zeit verbunden war, noch in die Augen zu schauen. Die Paare wechselten die Konstellationen wie das Motto im Restaurant. Täglich satt gegessen mit Auswahl und Vielfalt. Camyuva bot eine komprimierte Plattform für das, was jeden Tag überall zwischen den Menschen geschieht, die doch eigentlich irgendwie alle nicht alleine und Single sein wollten. In der Black Box, mit schwarz gekleideten eleganten Persönlichkeiten, die sich von musikalischen Rhythmen leiten ließen, ertönte das letzte Lied: der Clubsong mit Zeit für Gefühle, Zeit für Robinson, Zeit für sich, Zeit für Verbundenheit. Die Gäste fielen sich in die Arme, strahlten, öffneten ihr Herz für sich und andere, indem sie sich bei dem Lied vollkommen fallen ließen. Für einen kurzen Moment. Ich schaute in die glücklichen Gesichter der Männer, die mich rechts und links schunkelnd im Arm hielten und das wurde zugleich einer der schönsten und nachdenklichsten Momente meines Urlaubs.

 

Single Sehnsucht nach Nelen

Die Sehnsucht aller, einen anderen Menschen an seiner Seite zu haben, sich fallen zu lassen, einfach nur zu sein, angenommen zu werden wie man ist. Ein Teil einer Gemeinschaft zu sein, sein Herz zu öffnen, Alltagssorgen vergessen, den Moment des Glücks zu empfinden, der nach dem Song wieder schlagartig endet und man sich mit schnellen Sex in die nächste Miniaffäre flüchtet, um am Folgetag nicht zu wissen, wie man nun schon wieder damit umgehen soll. Das Buffet ist eröffnet und für weitere Leckerein neu aufgetischt! Der nächste Nachtisch kommt bestimmt und spiegelt im Grunde nur das Verlangen des Verzehrens außerhalb der Camyuva Mauern im Heimatland wieder. Egal, wo wir uns befinden, unsere Pakete haben wir stets dabei und hoffen darauf, woanders die Schwere darin loslassen und die Leere darin füllen zu können. Und für viele funktioniert genau das für einen kurzen Augenblick während des Clubliedes.

 

Emotionen, Konsum und Verbundenheit

Ihre unentdeckten Liebschaften, Bindungsphobien und Näheproblematiken durchleben sie in wenigen Tagen. Zu Hause hielten sie sich die Frauen warm oder reagierten nicht mehr auf mobile Kontaktversuche. Und manchen Männern ging es auf der anderen Seite eventuell ganz genauso. Hier lief man dem Konsumgut Mensch noch mal unweigerlich über den Weg und wartete auf dessen Abreise. Aber auch nur dann, wenn es an Gefühl wenigstens noch einen Funken Peinlichkeit gab, statt vollkommene Gleichgültigkeit. Wo ist die Liebe geblieben? Wo sind die Chancen auf wahre Verbundenheit? Camyuva bot sogar die Plattform dafür Herzen zusammen zu bringen, aber genutzt wird die Singlereise eher für oberflächlichen Sex und Austauschbarkeit. Und so erleben es viele Singles auch zu Hause.

 

Für wenige Tage alles hinter sich lassen, ohne zu begreifen, dass man dennoch der gleiche Mensch vor Ort ist, mit den gleichen Ängsten, Sorgen, Blockaden, Mustern und Wertesystemen, die man stets mit sich trägt. Nach drei Tagen lernte ich Ken kennen. Er machte mir nicht den Eindruck eines klassischen Aufreißers, aber nach wenigen Gesprächen konnte man sich dessen doch nicht ganz so sicher sein.

„Nadine, ich muss dir was zeigen?“

„Was denn?“

„Ne, du musst es sehen!“

Die Geheimnistuerei erschien mir etwas suspekt. Vielleicht sollte ich meinen Vertrauensvorschuss Fremdem gegenüber noch mal überdenken. Was hatte er vor und warum sollte ich mit ihm aufs Zimmer? Mein Bewertungskarussel kreiselte und ich öffnete neue Schubladen, um ihn gleich dort hinein zu stecken.

Bevor ich mich versah, zog Ken seine Hose runter. Er konnte doch nicht allen Ernstes so plump sein? Wo war der charmante, tiefgründige Mann von vorhin? Schockiert und gleichzeitig staunend stand ich vor ihm. Ich konnte es nicht fassen, als ich ihn mit seiner Hose zwischen seinen Beinen da stehen sah und seine Palme betrachtete.

„Ist das echt?“, fragte ich ihn erstaunt.

„Ja! Normalerweise mache ich so etwas ja nicht, aber die Stimmung war gut. Ich hatte am Abend zu viel getrunken und war schon eine ganze Weile hier. Die anderen wurden in kürzester Zeit wie Brüder für mich!“

„Und dann dachtest Du ihr lasst euch eine Camyuva Palme in der Nähe der eigenen tätowieren?“

„Die Freundin des einen war Tätowiererin. Sie war beruflich unterwegs mit ihrer Ausrüstung und irgendwie kam dann eins zum anderen.“

„Mmh, also nicht alles oberflächige Bekanntschaften? Hoffentlich halten deine Freundschaften genauso lange wie die die Farbe auf deinem Arsch.“

 

Frei sein

Tagsüber in der Sonne, beim Sport und jeden Tag nette Leute. Doch die Frage, wie ehrlich und authentisch man wirklich war, beschäftigte mich weiterhin. Einfach nur Spaß haben? Klingt fantastisch, doch wann brachen der Alltag und die Sehnsucht, nach dem man sehnlich nach Liebe sucht, wieder über einen ein? Ist es wirklich das, was man möchte? Oder ist es das, was man für den Moment möchte? Sorgen und Probleme vergessen. Bekanntschaften, statt Liebe und Freundschaften, weil wir verlernt haben, unsere Herzen wirklich zu öffnen.

 

Camyuva verbindet

Schneller als gedacht, brach der letzte Tag auf mich ein. Letzte Sonnenstunden, Salz auf der Haut, gute Unterhaltungen auf dem Trampolin, schwimmen im Meer, gemeinsame Drinks und mit einem bisschen Glück ein wenig wirkliche Nähe. Die letzte Party war aufgebaut, unser zusammen gewürfeltes Grüppchen amüsiert. Menschen, die außerhalb der Schranken nicht zusammen gefunden hätten. So unterschiedlich, und dennoch mit Gemeinsamkeiten. Lachend, tanzend und ausgelassen. Zufrieden und glücklich. Der letzte Song wurde angespielt, wir rückten zusammen, selbst die, die sich bis dahin noch verweigerten. Ausgebreitete Arme und Umarmungen für Bekannte und neue Gäste. Einer schloss auf den anderen auf und wir sangen gemeinsam bei einem kleinen Augenblick der Gefühle, wenn sich das Herz für etwa drei Minuten zu öffnen begann. Und nur wir selbst entscheiden, ob wir es geöffnet lassen.

 

Der Moment der Abreise fiel mir schwer und Camyuva - vielleicht komme ich wieder!

 

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